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PAUSE – Von der Kunst es gut sein zu lassen

Aktualisiert: 6. Sept. 2021

«Endlich Wochenende!» Immer wieder erlebe ich die zwei eigentlichen freien Tage als einen heiligen Sehnsuchtsort. Jede Woche neu träume ich von zweckfreier Family-Zeit im geputzten und aufgeräumten Zuhause. Und wie immer realisiere ich am Samstagmorgen, dass mich die liegengebliebenen «to Does» der vergangenen Woche an diesem Idyll hindern. Während ich schneller und effektiver - weil mein Mann ja die Kinder managt - wie wild durchs Haus wirble, werde ich vom Einen zum Nächsten geführt... noch diese eine Maschine Wäsche, wenigsten noch das Wohnzimmer saugen, oh die Blumen sind am Verdursten... und noch den Kuchen für den Besuch morgen... schon während ich zur Höchstform auflaufe, realisiere ich, dass mir die wertvolle freie Zeit zwischen den Fingern zerrinnt.



Längst weiss ich, dass Gott mir einen Tag Pause pro Woche gönnt. Ja nicht nur gönnt, sondern verordnet. Biblisch gesehen verankert Gott den Sabbat in den 10 Geboten. Ich predige mir, was Tomas Sjördin schlussfolgert:

«Ruhe ist keine Belohnung, nichts was man sich verdienen muss. Sie ist eine Pflicht.»


Doch wie kann ich als berufstätige Mama von drei Kindern dieser Pflicht neben all den anderen Pflichten nachkommen? Ich habe endlich einen Schlüssel für mich entdeckt: Die Kunst, es gut sein zu lassen.


Zu Ruhen heisst für mich die Entscheidung zu treffen, dass die Dinge jetzt gut genug sind, um eine Pause zu machen. Ich lasse die Dinge wie sie sind. Bis morgen. Im Haushalt. In der Beziehung. Im Job. In Sachen Bildung. Wo auch immer.


Wir leben heute in einer Gesellschaft der Rastlosigkeit. Die Konkurrenz der Ruhe ist riesig: digital, kommerziell, materiell, beruflich! Wir meinen immer mehr in immer weniger Zeit schaffen zu müssen. Doch Studien zeigen, dass es keine Korrelation zwischen Eile und Produktivität gibt. Wir werden nicht produktiver bei dem Versuch in kürzerer Zeit mehr zu machen. Aber wir sind produktiver nachdem wir geruht haben.

Ruhe hilft uns auch den Blick fürs Wesentliche zu bekommen, von «alles haben wollen, was man liebt» zu «alles lieben, was man hat». Und manchmal darf ich mich nach der Pause wundern, wie sich dies oder jenes ohne mein Zutun entwickelt hat. Warum? Weil etwas passiert während wir nichts tun!


Doch wie füllt man die Zeit, in der man nichts tun soll? Wir haben die Kreativität verloren, die uns hilft, Zeit zu verbringt, ohne produktiv sein zu müssen. Vielleicht hilft dir die Frage: Was könnte ich für 24 Stunden tun, dass meine Seele erfüllt und mir Freude schenkt? Wichtig ist, dass dein Sabbat sich von allen anderen Wochentagen unterscheidet. Massgebend ist nicht «erlaubt» oder «verboten», sondern «belebend» oder «ermüdend». Was erquickt deine Seele? Feiern, spielen, tanzen, Gottesdienst, fein Kochen und essen mit Freunden/Familie, Sex mit deinem Ehepartner, singen, beten, lachen, Geschichten erzählen, lesen, malen, spazieren, beobachten, ...? Sicher ist, es ein Tag, an dem wir nicht auf unser Handy, unseren Kalender und unsere to-do-Liste hören!


Ich möchte dich ermutigen, das Prinzip des Sabbats auszuprobieren, nicht einmal oder zweimal, sondern für einen längeren Zeitraum. Alle sechs Tage für 24 Stunden. Denn nur, wenn wir den Sabbat leben, werden wir erkennen, warum wir ihn brauchen.


Silke Sieber (*1986) ist verheiratet und Mama von drei Kids (7, 5, 5 Jahre). Sie hat in Basel und Heidelberg Theologie studiert. Heute leitet sie gemeinsam mit ihrem Mann das Kirchengründungsprojekt precious.ch am Zürichsee und arbeitet beim Bibellesebund Schweiz als Referentin und Redakteurin.


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