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Mit dem Herzen wahr-nehmen

Aktualisiert: 10. Dez. 2021

Manchmal gibt es Bibelworte, die wir auswendig kennen und die uns schon ein Leben lang begleiten. Manche von ihnen sind möglicherweise immer noch nicht inwendig im Herzen angekommen.

So ging es mir viele Jahre lang mit den Worten aus dem Prophetenbuch Jesaja 43,1-5: So spricht der HERR, der dich geschaffen hat…: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Du bist teuer in meinen Augen und herrlich und ich habe dich lieb... So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir.

Dieser Zuspruch Gottes an sein Volk Israel kenne ich seit ich mich erinnern kann, und für mich war immer klar, dass diese Worte auch all denen gelten, die an Gott glauben und zu seiner Familie gehören.

Doch aus irgendeinem Grund blieb dieses Wissen jahrelang in meinem Kopf stecken. Mein Herz konnte es nicht verstehen, konnte es nicht annehmen. Mein Leben war von klein auf von der inneren Überzeugung geprägt, dass ich nur wertvoll bin, wenn ich leiste.


Doch das Wunder war, dass ich mich gerade in den tiefsten Tiefen meines Lebens dennoch und trotz allem getragen und gehalten erlebte – von einer unsichtbaren aber vertrauten Hand. Warum das? Ist das nicht paradox?

Ich habe nur eine Antwort darauf, eine Herzensantwort:

Immer wieder durfte ich in meinem Leben Menschen begegnen, die in mir die Person sahen, die ich wirklich BIN, auch ohne Leistung. Diese Menschen gaben mir durch ihre Blicke und Worte, durch ihre Haltung und Gesten den Zuspruch, dass ich wertvoll bin.

In diesen Augen-Blicken war es, wie wenn Gott mich liebevoll anschauen und meinem Herzen zusprechen würde: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Du bist teuer in meinen Augen und herrlich, und ich habe dich lieb...


In diesem Moment habe ich es mit dem Herzen wahrgenommen, als wahr genommen und geglaubt. Und noch mehr: Selbst wenn kein Mensch da ist, der dies zuspricht oder zu-blickt, so weiss ich zutiefst, dass da einer ist, der für mich und für mich da ist, der mich kennt und bis ins Innerste versteht, der da bleibt, auch wenn nichts und niemand bleibt.


Sabine Herold

Sabine Herold (*1973) ist verheiratet und Mutter von drei Söhnen. Sie ist Pfarrerin in der reformierten Kirchgemeinde Wohlen, schreibt und referiert gerne. Zusammen mit Deborah Keller hat sie im Frühling 2020 ein Ermutigungsprojekt gestartet: Regelmässig ermutigen sie Menschen durch Bild und Wort:

https://ref-wohlen.ch/de/Herzlich-Willkommen/Ermutigungen-zum-Lesen


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