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Kraftvoll aus der Stille leben

Vor einigen Jahren ging es mir persönlich nicht gut und ich hatte Angst vor der Zukunft. Ich fühlte mich kraftlos und war ehrlich gesagt ziemlich verzweifelt. Da hörte ich frühmorgens im Gebet eine innere Stimme. Etwas in mir sagte mir, ich solle mit dem Zug zum Luganersee fahren und dort still an einer bestimmten Parkbank auf eine Nachricht warten. Der Platz war mir gut bekannt.


Also fuhr ich an diesem Tag drei Stunden mit dem Zug zu diesem Ort und wartete nach einer kurzen Wanderung ruhig auf der Bank. Nur zwei Minuten später schreckte mich das Signal eines Schiffshorns auf. Ein großes Passagierschiff mit der Aufschrift „San Gottardo“ fuhr vorbei. Sofort suchte ich im Internet nach dem Namen, denn ich spürte, dass Gott mir etwas sagen wollte. Der Name bedeutet: „Stark in Gott“.


Foto der SAN GOTTARDO mit freundlicher Genehmigung der "Dampferzeitung"
Foto der SAN GOTTARDO mit freundlicher Genehmigung der "Dampferzeitung"

Diese Worte trafen mein Herz tief, und in diesem Moment empfing ich eine übernatürliche Stärke, die sich in meinem Körper, meiner Seele und meinem Geist verankerte. Ich konnte über die Kraft dieses Augenblicks nur staunen.


In der Stille – auch wenn sie nur kurz ist – ereignen sich kostbare Begegnungen zwischen Herz und Himmel. Persönliche Geschenke des Himmels werden im Hören auf Gott spürbar und erkennbar.


„Du bist der Gott, der mich sieht!“, sagt Hagar, als sie nach einem Konflikt am Tiefpunkt ihres Lebens angekommen ist (1. Mose 16,13; Hfa). Gott liebt und sieht uns Menschen. Wir dürfen ihm in der Stille begegnen und in ihm stark werden und bleiben.


Und da ist noch mehr: Später erzählte mir jemand, dass dieses Schiff nur einmal pro Woche dort vorbeifährt. Gott kennt den richtigen Zeitpunkt, um in der Stille zu uns zu sprechen.


In stürmischen Zeiten neigen wir dazu, alles aus eigener Kraft bewältigen zu wollen. Doch Gott schenkt uns immer wieder Oasen der Ruhe. Er wünscht sich, dass wir in seiner Gegenwart still werden und lernen, ihm ganz zu vertrauen. Vielleicht fällt es dir schwer, Pausen einzulegen und auf Gottes leises Reden zu hören. Selbst wenn wir allein in einem Raum sind, bedeutet das noch lange nicht, dass wir innerlich zur Ruhe kommen.


Unser Herz ist in herausfordernden Momenten oft verunsichert oder aufgewühlt. Doch unser Vater im Himmel kennt unsere Gefühle und unsere Herausforderungen. Zwischen Himmel und Herz schafft er eine starke Verbindung. Er möchte uns in der Stille durch sein Reden und Handeln inspirieren, ermutigen und tief im Herzen stärken.


David erinnert uns in Psalm 37,7: „Sei ruhig in der Gegenwart des Herrn und warte, bis er eingreift.“ Wir dürfen lernen, Gottes Gegenwart zu suchen, in ihr zu verweilen, loszulassen und gute Botschaften vom Himmel zu empfangen. Unser himmlischer Vater hat persönliche Herzensbotschaften für uns.

 

„Ruf mich, dann will ich dir antworten und will dir gewaltige und unglaubliche Dinge zeigen, von denen du noch nie gehört hast.“

Jeremia 33,3

 

Zwischen Herz und Himmel entsteht Raum für das, was größer ist als unsere eigenen Gedanken. Manchmal genügt ein kurzer Moment der Stille, damit uns etwas klarer wird: was uns hält, was uns bewegt und wohin der nächste Schritt führen könnte.


Gönn dir immer wieder Momente der Stille. Zünde eine Kerze an, lies und bewege einen Bibelvers in deinem Herzen, oder setze dich einfach in einen Liegestuhl im Garten und beobachte die Natur. Gestalte dir deine Orte der Ruhe. Eine passende Tageszeit, ein bewusst gewählter Ort, leise Musik, geschlossene Augen und besonders das Weglegen des Smartphones können helfen, innerlich offen zu sein für neue Inspiration.

 

  • Wo kannst du in deinem Alltag bewusst Räume der Stille schaffen?

  • Wann hast du erlebt, dass Gott dein Herz berührt hat?

  • Welche Gedanken kommen dir beim Lesen der folgenden Bibelstellen: Johannes 15,4; Römer 12,12; Psalm 86,11 und Jesaja 30; 15

 

 Gebet der Stille

Treuer Gott, ich komme jetzt vor dir zur Ruhe. Stille und Vertrauen schenken mir Kraft. Du bist ein Gott, der mich sieht. Du kennst mein Herz, meine Gedanken und meine Unruhe.

Ich lasse los, was mich beschäftigt, und richte meinen Blick neu auf dich.

Lehre mich, still zu werden und auf deine Stimme zu hören.

Öffne mein Herz für deine Herzensnachrichten, für das, was du mir zeigen und sagen möchtest.

Ich vertraue darauf, dass du zum richtigen Zeitpunkt sprichst und mir große Dinge offenbarst, die ich aus eigener Kraft nicht erkennen kann.

Stärke mich in deiner Gegenwart.

Lass mich in dir stark sein und erfülle mich mit deiner Ruhe und deinem Frieden.

Hier bin ich, Herr. Ich höre. Amen. 



Dieser Text stammt aus dem neu veröffentlichten Buch: Ellen Nieswiodek-Martin und Karin Schmid-Müller: Vom Herz zum Himmel Wetzlar: Gerth Medien, 2026 Mit freundlicher Genehmigung


Karin Schmid-Müller

ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern und arbeitet im Pfarrberuf für verschiedene Kirchgemeinden.

Sie verbindet Menschen über Konfessions- und Nationalitätsgrenzen hinweg. Außerdem ist sie die Initiatorin der Ladies Conference in Stuttgart.

Sie lebt in der Schweiz.




 
 
 

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